bigbandkonzert_plakat_ansicht_480Was im Jahre 1987 ganz klein während einer Projektwoche anfing, konnte nun nach 25 Jahren ein großes Jubiläum im Kulturwerk Norderstedt feiern. Alle drei Bigbands und die Percussion-AG gestalteten gemeinsam ein Konzert im 430 Plätze großen neuen Saal, der als ehemalige Fabrik seinen besonderen Reiz hat. Besonders die weit nach vorne gezogenen Emporen mit interessanten Sitzplatzaufteilungen bieten ein besonderes akustisches und optisches Erlebnis.

Unser ehemaliger Schüler und Schlagzeuger David Contreras (Abitur 2008), der in den Bigbands unserer Schule aufgewachsen ist und nun an der Music Academy in Los Angeles Schlagzeug studiert, schreibt in einer Mail an die Letsswing-Bigband zum Jubiläum:

„Mir geht es hier sehr gut, obwohl ich sehr beschäftigt und teils auch gestresst bin. Die Schule ist sehr intensiv, da sie ja, anders als andere, vierjährige Musikstudiengänge, nur eineinhalb Jahre Zeit lässt, um die gesamte Vielfalt der Jazz-, Pop-, Rock-, Funk-, Latin- ( etc., etc…) Musik abzudecken. Natürlich ist die Vorstellung, all diese Stile innerhalb dieser kurzen Zeit wirklich auf professionellem Niveau zu meistern, völlig utopisch. Vielmehr geht es hier darum, das nötige Wissen und die nötigen Grundlagen zu schaffen, um letztendlich selbstständig in den Bereichen der eigenen Wahl tiefer zu graben. Zudem fällt mir hier in den USA im Vergleich zu Deutschland sehr auf, wie viel Wert darauf gelegt wird, die Wurzeln aller Stile zu kennen und so alles, was man hört und spielt, besser einordnen zu können. Dies wirkt sich sehr positiv auf die Authentizität des eigenen Spiels aus. Man weiß im Idealfall in jeder musikalischen Situation, welches „Vokabular“ für einen bestimmten Stil und eine bestimmte Zeit (und teilweise sogar für eine bestimmte Stadt) angebracht ist. Daran wird in Deutschland m.E. relativ wenig gearbeitet.

Ein riesiger Vorteil an LA ist die Möglichkeit, fast täglich und für wenig Geld einige der besten Musiker auf der Welt hautnah erleben zu können. Zum Beispiel haben viele Musiker, die sonst oft auf Tour durch die großen Arenen der Welt sind, hier in der Stadt ihre Heimbasis und spielen zum Spaß miteinander in kleinen Bars, wenn sie gerade mal zu Hause sind. Solche Leckerbissen sind echt unersetzlich. (Ich halte momentan ständig Ausschau nach „Gordon Goodwin’s Big Phat Band“. Die möchte ich unbedingt mal live erleben.) (NB von Pa: Die Letsswing-Bigband spielte im Jubiläumskonzert Gordon Goodwins Titel „Mueva Los Huesos“, den auch David vor einigen Jahren mitgespielt hat.)

Na ja, diese Kombination aus einem riesigen Berg an Informationen und dem hohen Niveau der Spieler, die man hier sehen kann,dsc02237 lässt mich ständig auf der Schwelle zwischen gnadenloser Motivation und völliger Resignation kippeln. So ist es hier an der Schule nicht unüblich, 15-Stunden-Tage zu fahren, um sich selber das Gefühl zu geben, dass man zumindest alles in seiner Macht Stehende tut, um dieser Anforderung gerecht zu werden. Dabei wird es zwischen dem ganzen Üben bisweilen ein Kampf, sich die Freude an der Musik noch zu bewahren, sie kommt aber immer verlässlich zurück.

25 Jahre Bigband am LGN!
So ein Meilenstein lässt mich ganz nostalgisch werden, obwohl ich ja ein relatives Küken in dieser Geschichte bin. Trotzdem, für mich ist die Erfahrung, in diesen Bigbands musikalisch aufgewachsen zu sein, ein riesiger Teil meiner musikalischen Identität und kann durch nichts ersetzt werden. Für Schlagzeuger ist es anscheinend eine unglaubliche Herausforderung, so einen Haufen von Bläsern durch die Gegend zu zerren und dabei noch komische 4-seitige Noten zu lesen, in denen eigentlich nichts notiert ist. Diese Fähigkeit habe ich (und Niklas Beck zum Beispiel auch) hier einfach „spielend“ erlernt, ohne wirklich viel darüber nachdenken zu müssen, während sich viele meiner Altersgenossen jetzt sehr damit herumquälen müssen… und das ohne den Luxus, eine solche Band tatsächlich regelmäßig zur Verfügung zu haben.
Und für diejenigen, deren Wege nicht in eine angestrebte Musik-Karriere führen, werden die Bigbandproben, -reisen und -konzerte dennoch immer als einige der schönsten Erinnerungen an die Schulzeit bleiben. Einfach unersetzlich großartig!!

Ich möchte mich also einmal ausdrücklich bei dir, „Packi“, für die Institutionalisierung dieser Bands bedanken und bei Euch allen dafür, dass Ihr mich aufgenommen und musikalisch mit großgezogen habt.
Ich hoffe diese Tradition wird am LGN noch lange weitergeführt und von den kommenden Generationen genauso sehr geschätzt. (Und ich hoffe, dass in 20 Jahren die Kinder in der Rhythmusgruppe immer noch wissen, dass der braune Koffer der „GRÜNE KOFFER“ ist.) (NB von Pa: Der „Grüne Koffer“ war bei der ersten Estlandreise 1990 der Letsswing-Bigband ein wichtiges Utensil für den Transport der gesamten Percussioninstrumente der Rhythmusgruppe und stammte vom Dachboden unseres damaligen Trompeters Toni Thoma. Vor neun Jahren musste dieser Koffer leider wegen Altersschwäche durch einen braunen Koffer ersetzt werden. Die damalige Rhythmusgruppe versah diesen Koffer allerdings mit der deutlichen Aufschrift „grün“, da eine Letsswing-Bigband natürlich ohne grünen Koffer nicht existieren konnte. Dieser Koffer erreichte mittlerweile Kultstatus.)

Für das kommende Konzert wünsche ich Euch eine Rückbesinnung auf all die guten Zeiten, die wir in diesen Bands hatten und eine daraus folgende Spielfreude, die allen auf der Bühne und im Publikum Lust auf 25 weitere tolle Jahre macht.“

Das Programm