An drei trüben Novembernachmittagen hallte der durchdringende Klang von Hämmern und Meisseln durch die Flure des Lessing-Gymnasiums…, wieder mal Handwerker im Haus und gleich so viele?

Simbabwe ist den Schülern des LGN seit dem letzten Sommer durch das Hilfsprojekt „50 PCs für die ländlichen Schulen, 425544a1160c7a646Neshangwe High School und Takawira High School“, bekannt, das in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation IPA (Initiative Partnerschaft für Afrika e.V.) durchgeführt wurde.

Bei all seinen wirtschaftlichen Problemen hat Simbabwe jedoch einen reichhaltigen Schatz an Kulturgütern zu bieten, insbesondere seine auf der ganzen Welt berühmt gewordenen Steinskulpturen.

Der renommierte Bildhauer, Celestino Mukavhi, war Oktober/November 2012 für einen Workshop im Botanischen Garten, Hamburg, und für eine Verkaufsausstellung im Völkerkundemuseum zu Gast und spontan bereit, an einem Bildhauer Workshop für Schüler teilzunehmen, veranstaltet von der Fachschaft Kunst, unter der Leitung von Frau Meisel und Herrn Thiemann, der die Skulpturensammlung seiner Familie für Anschauungszwecke zur Verfügung stellte.
Zusätzliche Unterstützung bot Thomas Behrendt, Kulturpreisträger der Stadt Norderstedt, der auch das „Luftschiff“ auf dem Schulhof schuf.
Er beschaffte für 16 Schüler und Schülerinnen der 9. bis 13. Jahrgänge Sandsteinblöcke (zwischen 10kg und ca. 40kg) aus dem Raum Hildesheim, stellte die nötigen Werzeuge zur Verfügung und half mit Rat und Tat bei der Durchführung des Workshops.

dsc04646Der Förderverein des Lessing-Gymnasiums sponsorte dankenswerter Weise die Honare und den Großteil der Kosten für die Steine und Werkzeuge. Ohne diese großzügige Hilfe hätte der Workshop so nicht stattfinden können.

Zur Information für Schüler und Eltern fand während der drei Tage des Workshops vom 21. bis 23.November in der kleinen Mensa eine Ausstellung mit Steinskulpturen aus Simbabwe statt, die aus der Sammlung von Familie Thiemann stammen.
Kunstklassen des LGN und des Berufsbildungszentrums (hier unterrichtet T. Behrendt Kunst) und interessierte Eltern besuchten die Ausstellung, die neben den Skulpturen Informationsmaterial und ein Video zum Bildhauerdorf Tengenenge, Simbabwe, bot. (Tengenenge ca.15min).

Nach einer kurzen Einführung in der Ausstellung sahen sich die Teilnehmer ein Video über das Bildhauerdorf Tengenenge an, in dem sie einen ersten Eindruck von den Techniken der Künstler gewannen.
Doch schon bald ging es an die praktische Arbeit, denn in nur 9 Stunden sollten die eigenen Skulpturen fertig sein, mehr Zeit stand nicht zur Verfügung.
Sicheres Arbeiten ist beim Hauen Vorausssetzung. Brille, Handschuhe, wie halte ich Hammer und Meissel, die Teilnehmer konnten es nicht erwarten, sich ihren eigenen Stein aus den Sandsteinbrocken auszusuchen und – wie Herr Behrendt riet- ihn mit geschlossenen Augen zu ertasten und dann die ersten Schläge ohne zunächst eine feste Vorstellung vom Endprodukt zu haben, sich vom Stein führen lassen. Die jungen Bildhauer sollten sich keine festen Vorgaben machen, etwa Hund, Katze, Mann oder ein Gesicht nachzubilden.
Bei einigen entstand nach ein paar Schlägen schon ein grobes Bild von ihrer Skulptur, ein Schaaf drängte sich schon vor dem ersten Schlag auf, andere änderten ihr Vorhaben nach einiger Zeit um, wenn sich neue Konturen im Stein zeigten.
Erstaunlich, dass viele Steine schon nach kaum zwei Stunden zeigten, was sie werden sollten.

dsc0473917 (Frau Meisel hatte das Fieber auch gepackt) Hammer und Meissel erzeugten einen Höllenlärm. Celestino Mukavhi und Thomas Berendt berieten die jungen Bildhauer, rückten Meissel zurecht, die gefährlich in der Hand zu liegen schienen, zeigten, wie man Feile und Sandpapier einsetzt, ermunterten unermüdlich und geduldig, wenn es nicht weiterzugehen schien. Die beiden erfahrenen Künstler übertrugen ihre Ruhe und Gelassenheit auf die jungen Teilnehmer und strömten Zuversicht und festen Glauben an das Gelingen jedes Einzelnen aus.
Ganz selbstverständlich unterhielten sich die Schüler mit Mr Mukavhi auf Englisch, bilingualer Kunstunterricht, lernten von ihm auch paar Grußworte auf Shona, seiner ersten Muttersprache.
Am Ende des ersten Nachmittages war der Boden des Werkraums mit Trümmern und Staub übersät, trotz lauterer Bemühungen blieb ein kleines Ärgernis für die Kollegen der Regionalschule, die am nächsten Tag dort Unterricht hatten. Wir entschuldigen uns dafür – mit so viel Dreck hatte niemand gerechnet.

Am dritten und letzten Nachmittag, Freitag, kamen viele Künstler schon früher, weil sie ihre Skulptur unbedingt fertig stellen wollten.

Als Celestino Mukavhi, der am nächsten Tag wieder zurück Zimbabwe fliegen musste, verabschiedet wurde, waren die meisten so weit, dass sie ihre Werke in die Ausstellung in der kleinen Mensa bringen konnten, wo jetzt die Werke der Lessing Schüler die Skulpturen aus Simbabwe ersetzten.
Zwei ganz Eifrige kamen sogar nochmals am Samatagmorgen schon um neun und blieben bis 14:00Uhr und halfen die Ausstellung mit den Schülerwerken zu arrangieren. Eventuell werden der eine oder die andere im Kunstunterricht ihr Werk weiter vollenden wollen, sicherlich werden sich Möglichkeiten ergeben, letzte hand anzulegen, zu polieren und zu wachsen, um der Skulptur einen besonderen Glanz zu geben wie bei den Skulpturen aus Simbabwe.
Wenn man die Werke der Schüler betrachtet, braucht man sie nicht zu fragen, ob ihnen der Workshop etwas gebracht hat. Die Werke sprechen für sich selbst.

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Lesen Sie hier einen Bericht von Teilnehmerin, Luisa Zechel, 9b, geschrieben für die Schülerzeitschrift „Epilog“.

Oder schauen Sie sich die Arbeiten der Schüler in der Galerie an: