Anfang Mai 2012 verließ die von IPA (Initiative Partner für Afrika e.V.) und teilweise vom Lessing-Gymnasium finanzierte Hilfssendung von 50 Computern den Hafen in Hamburg und sollte Ende Juni in Simbabwe sein. Charity Network (beim LGN) hatte die Computer umgerüstet und bei der Verladung geholfen.

Ich flog gleich zu Beginn der Sommerferien am 28.6. nach Harare, um die Sendung in Empfang zu nehmen und an den beidendsc01729 Schulen, Neshangwe High School und Leopold Takawira Highschool, zu installieren.
Bei meiner Ankunft waren die Computer noch in Südafrika. Es folgten Tage und Wochen des Ringens mit den Schiffsagenten, die den Transport von Durban, wo die Ladung schon am 3. Juni gelöscht worden war, nicht organisiert bekamen. Drei Wochen nur brauchte das Schiff für die über 10000km von Hamburg bis Durban, die restlichen 1700km bis Harare mit dem Lastwagen sollten noch mehr als sieben Wochen dauern.
Für den 23. Juli war der Rückflug geplant, aber die PCs waren noch nicht angekommen. Ohne viel Hoffnung wurde der Flug um eine Woche verschoben. Vielleicht würden die PCs ja doch noch ankommen…

3Dann endlich, am 25. Juli, konnten die PCs in Harare in Empfang genommen werden.
Dank der spontanen Bereitschaft der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), die für die Bundesrepublik verschiedene Projekte wie Wasserbau und Müllabfuhr durchführt, war schon am nächsten Tag der Transport der 8 Palletten mit Pickup und Anhänger zur Neshangwe High School ca. 200km über enge Straßen und Staubpisten möglich.

Die Freude über die Ankunft der PCs war riesig an der Schule. A-level Schüler waren eigens nach Schulschluss zurückgeblieben, um die Palletten zu entladen.

Die Schule hatte sich gut vorbereitet und einen Computerraum mit selbst angefertigten Computertischen ausgestattet. Der

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Hausmeister, wie sich herausstellte, ein ehemaliger Schüler von mir, hatte aus Winkeleisen lange Computertische zusammengeschweisst und mit Holzplatten zu Tischen verarbeitet, lackiert und mit Elektroanschlüssen versehen – sehr professionell.

Am späten Abend liefen die PCs schon, am nächsten Tag wurde noch das Internet mit den vom Lessing-Gymnasium gestifteten USB Modems installiert, für die extra starke Antennen mitgebracht worden waren. Die Schnelligkeit des Netzes ist nicht mit der Glasfaserqualität von Wilhelm Tel vergleichbar, aber jetzt können Schüler und Lehrer das Internet nutzen, das im Moment noch sehr viel teurer als in Deutschland ist. Auch ein Beamer wurde installiert, so dass die Schüler jetzt gemeinsam Lehrfilme anschauen können und auch mal „Kino“ sehen können, das es auf dem Lande überhaupt nicht gibt.

dsc03583Mit den PCs können sich nun die A-level (Abitur) Schüler adäquat auf ihre Abschlussprüfung auch im Fach Informatik vorbereiten. Aber auch die jüngeren Schüler eignen sich PC-Kenntnisse an und dem ganzen Dorf werden die Computer zur Nutzung zu Verfügung stehen.
Die gute Ausrüstung mit Computern steht in Kontrast zu der Grundausstattung der Schule, die noch damit kämpft, die Wasserversorgung der Schulräume und Lehrerhäuser sicherzustellen, da ein riesger Tank zusammengebrochen war, der die Schule mit Wasser versorgt. So müssen die Lehrer bisweilen ihr Wasser in Eimern in dsc03584ihre Häuser tragen. Von 1985 bis 1988, als ich dort als Lehrer tätig war, ist dies nicht nötig gewesen. Fließend Wasser und Toiletten funktionierten damals reibungslos. Die politische Entwicklung hat das Land leider um Jahrzehnte zurückgeworfen, so dass selbst die Grundversorgung mit Wasser, über die man bei uns nicht einmal mehr nachdenkt, hier nicht garantiert ist.
Strom gibt es in unregelmäßigen Abständen. Ein großes Dieselaggregat sorgt in Notzeiten für die Versorgung der Schule mit Licht und Strom für die Computer.
Strom ist übrigens im ganzen Land rationiert. Selbst in der Hauptstadt werden ganze dsc03628Stadtteile regelmäßig für halbe Tage vom Stromnetz genommen, weil nur die Hälfte des benötigten Stromes produziert werden kann. (Simbabwe benötigt für das ganze Land mit 12 Mio. Einwohnern nur so viel Strom wie in Deutschland mit einem einzigen großen Kraftwerk, ca 2,2 Megawatt, erzeugt wird.)

Als am Nachmittag des zweiten Tages die Anlage lief, traf der LKW der Leopold Takawira Schule ein, die ihre 25 Pcs, Drucker und andere Geräte und mich abholen wollten.
Der Lkw hatte auf der Herfahrt schon einen Platten an einem der hinteren Zwillingsreifen bekommen und war deshalb nur einseitig belastbar.
5 Stunden, zumeist über Staubstraße und die meiste Zeit im Dunkeln mit Durchqueren von Flüssen ohne Brücke, dauerte die Fahrt in der engen Fahrerkabine zu dritt mit der Schulleiterin und dem Fahrer – abenteuerlich.
Um 22.30 Uhr konnten die PCs dann im gerade fertig gestellten Computerraum aufgestellt werden. Drei Wochen zuvor war der Raum noch eine einzige Baustelle gewesen, aber dank der Verzögerung hatte man es geschafft, sogar Fliesen zu legen. Die Computertische waren jedoch nicht gut geeignet. Es waren schmale Schülertische, die jedoch bald ausgetauscht werden sollen mit ähnlichen Tischen wie an der Neshangwe Highschool.

Um 7:00 Uhr am nächsten Tag begann zusammen mit den beiden IT Lehrern der Schule die Installation und Vernetzung der Computer und des Beamers. Die Zeit drängte, da am Montag schon der Abflug nach Deutschland sein würde. Gegen 14:00 Uhr war die Arbeit beendet. Das Umbuchen des Fluges hatte sich gelohnt, denn das Projekt konnte dann noch vollständig durchgeführt werden.
Die insgesamt ca 15000 Euro, die für das Projekt aufgebracht wurden, scheinen gut angelegt zu sein.
Mit einem Linienbus ging es zurück nach Harare, wo ich den letzten Tag in einer Township, Mufakose, verbrachte bei der Familie eines simbabwischen Freundes.

Die fünf Wochen des Wartens und Ringens um die Ankunft der PCs boten jedoch auch Entspannung. Während aus Deutschland immer wieder von Regen und schlechtem Wetter berichtet wurde, verwöhnte der simbabwische Winter mit stets blauem Himmel (während der ganzen Zeit war keine Wolke am Himmel) , tagsüber bis zu 26 C , nachts 6-12C (es gab sogar mal Frost). Ein ideales Klima, das auch in den Sommermonaten während der Regenzeit angenehm moderat bleibt.
Simbabwe ist ein wunderbares Reiseland. Weitere Informationen dazu gebe ich gern weiter.

R. Thiemann

Weitere Bilder zum Alltag in Zimbabwe und der Installation der Computer können in der Galerie betrachtet werden: