Am 09.07. 18:00 im Michael-Otto-Haus (Jugendmusikschule Hamburg) und am 10.07., 19:30, im Kulturwerk in Norderstedt  fanden die beiden Gemeinschaftskonzerte mit dem SOLG, dem JugendStreicherforum Hamburg und dem SympnonicOrchester aus der Schweiz statt.

Welch ein gelungener Austausch für das SOLG! Die Hinfahrt in die Schweiz war schon grandios (s.Bericht), der Gegenbesuch der Schweizer vom 8.-13.7.2017 ebenfalls ein voller Erfolg. Es flossen bei der Verabschiedung am 13.7. sogar einige Tränen, so intensiv waren einige geknüpfte Kontakte. Die Ankunft am 8.7. mit gewohnt schweizerischer Pünktlichkeit: vorgesehene Ankunft 20.30 Uhr, reale Ankunft 20.30 Uhr. Allgemeine Wiedersehensfreude, Verteilung auf die Familien. Alles klappt reibungslos. Der Instrumentenpark wird in der Schule verstaut, incl. zwei Alphörner (!!). 

Am 9. Juli steht bereits das 1.Gemeinschaftskonzert an. Nach einem Vormittag in den Familien fahren beide Orchester zusammen nach Hamburg in die Jugendmusikschule zur gemeinsamen Probe. Der Transporter mit den Instrumenten ist rappelvoll (u.a. 3 Kontrabässe, 14 Celli, unzählige Bratschen und Geigen, etc.), die Musiker/innen fahren mit der U-Bahn. Im „Blauen Saal“ muss erst einmal Platz geschaffen werden für die drei (!) Orchester beim Abschlussstück, denn es kommt ja noch das JugendStreicherForum der Jugendmusikschule Hamburg dazu. Dann werden 120 Musiker/innen auf der Bühne stehen. Dank der großartigen Unterstützung durch die Jugendmusikschule klappt alles hervorragend, es werden uns viele Instrumente zur Verfügung gestellt (Marimbaphon, Pauken, gr.Trommeln, Drumset) und die organisatorische Hilfe ist hervorragend. Nach drei Stunden Proben gibt es erst mal ein fantastisches Buffet, was Norderstedter Orchester-Eltern organisiert haben, dann beginnt um 18:00 Uhr das Konzert. Der Gastgeber, das SOLG (Ltg. Stefan Köttgen), beginnt , hält sich zeitmäßig wie üblich vornehm zurück und erhält nach seinem 25 Min.-Programm (Mussorgsky, Beatles) vom pralll gefüllten Saal großen Beifall. Obwohl das Orchester einen sehr jungen Altersdurchschnitt hat (Schwerpunkt 8.Kl.), spielt es sehr abgeklärt, ganz sicher und mit großem Einsatz. Beeindruckend auch der volle  Streichersound, der das ganze Orchester symphonisch klingen lässt, für eine relativ kleine Schule mit knapp 700 Schülern ziemlich einzigartig. Als Kontrast dann das JugendStreicherForum (Ltg. Lukasz Lukasiewicz), welches nur aus Streichern besteht (ergänzt von 3 Musikerinnen des SOLG) und ein ganz ungewöhnliches Stück im Programm hat: „Orawa“, ein Minimalmusic-artiges Stück des polnischen Komponisten W.Kilar, das mit sehr aufregenden Sounds aufwartet, teilweise fast folkloristische Elemente, teilweise mit Dissonanzen angereicherte Tontrauben, die rhythmisch kompliziert wiederholt werden. Das Publikum ist begeistert und honoriert den engagierten Vortrag mit starkem Beifall. Nach der Pause dann das umfangreiche und abwechslungsreiche Programm des Symphonic Orchesters der Musikschule Region Gürbetal (Ltg. Urs Stähli) mit Bühnenmusik von Schubert, einigen Solostücken für Oboe bzw. Kontrabass und Orchester (hervorzuheben der junge sehr begabte Kontrabassist  Tim Griffin),  einem Walzer von Scott Joplin und schließlich Filmmusik zu Pearl Harbor. Auch das SymphonicOrchester erhält lang anhaltenden Beifall für seinen Vortrag, gelobt wird vor allem der satte Bläsersatz.  Dann kommt der Höhepunkt des Konzertes, der gemeinsam von allen drei Orchestern gespielte Walzer von Schostakowitsch. Optisch und musikalisch ist hier der Geist des internationalen Kultur-Austausches zu spüren. Ein beeindruckendes Bild, wie sich 120 junge Musiker/innen verschiedener Länder zu einem gemeinsamen Stück zusammenfinden, zu einer Einheit, die zeigt, wie Musik eine internationale Sprache sein kann. Der Klang einfach überwältigend. Zufrieden und müde geht es in die Gastfamilien zurück.

Am 10.Juli hospitieren die Schweizer im Lessing-Gymnasium, bringen sich im Unterricht ein und vergleichen den Unterrichtsstil mit dem in der Schweiz. Das Ganze sehr herzlich; man merkt, hier kennen sich zwei Gruppen schon ziemlich gut und mögen sich. Abgeschlossen wird der Schulbesuch mit einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa. Die wird nun gleichzeitig von über 100 Schülerinnen und Schülern gestürmt, eine logistische Herausforderung, die aber knapp gemeistert wird. Dann stehen auch schon die Proben für das 2.Gemeinschaftskonzert im Kulturwerk an. Nach kurzer Pause in den Gastfamilien geht es direkt ins Kulturwerk am See. Hier leistet das Technikteam des LGN ganze Arbeit. Da die Bühne kleiner ist, muss sie erweitert werden, um den 120 Musiker/innen Platz zu bieten. Wie das erste Konzert klappt aber alles hervorragend, beginnend mit den Proben, der Einstellung auf die viel  trockenere Akustik, dem anschließenden üppigen Buffet, diesmal von einer anderen Elterngruppe des SOLG zubereitet, und schließlich dem Konzert vor ausverkauftem Haus. Die scheinbar trockenere Akustik hat auch Vorteile: der Klang ist transparenter und kompakter, die Orchester können noch besser zeigen, was sie drauf haben. Der Norderstedter Beifall enthusiastisch, alle drei Orchester freuen sich erneut über ein gelungenes Konzert (welches inzwischen auch auf Youtube zu sehen und zu hören ist. Dank an Julian K. und Herrn Heinemann). Gegen 23:00 Uhr geht es schließlich wieder in die Gastfamilien.

Dienstag, 11.Juli. Es geht nach Hamburg, dem Vorort von Norderstedt. Das Wetter ist passabel, die U-Bahn bringt uns (das SymphonicOrchester, Frau Jahnel und Herrn Köttgen) zunächst zu den Landungsbrücken, wo eine Hafenrundfahrt ansteht, ein Erlebnis der besonderen Art für die Schweizer, die geographisch bedingt keinen Seehafen haben. Dann wird der betagte hölzerne Aufzug in den alten Elbtunnel getestet und man geht ein kleines Stück unter die Elbe, ehe wir zum Mittagessen den langen Marsch zum Restaurant „musica é“ in der Hafencity antreten. Bei Pizza und Pasta werden die bisherigen Erfahrungen ausgetauscht und es gibt noch etwas Freizeit zum Eindecken mit Souvenirs. Zur Elbphilharmonie finden alle alleine, sie ist ja auch nicht zu übersehen. Leider wird ab heute der große Saal renoviert, der uns damit versperrt ist, so dass wir nur auf der Plaza den Ausblick auf Hamburg genießen können, aber auch das ist ja schon ein Erlebnis. Eine sehr engagierte alternative Stadtführung schließt sich an, die uns bei einigen Regenschauern von der Hafencity zum Jungfernstieg führt. Selbst die Norderstedter Begleiter erfahren Einiges Neue über Hamburg. Einige beschließen dann, in Hamburg zu bleiben, die anderen fahren mit der U-Bahn zurück nach Norderstedt. Denn es steht ja noch ein spannender Programmpunkt an: der gemeinsame Bunte Abend. Keiner weiß vorher ganz genau, was im Forum des LGN passieren wird, deshalb ist die Spannung  groß. Vor dem Hintergrund durchlaufender Dias von der Hinreise in die Schweiz  gibt es einige musikalische Beiträge, u.a. von den beiden Streichquartetten des LGN, von spontan aus beiden Orchestern zusammen gesetzten Musikgruppen, und – als folkloristischem Höhepunkt – einem Alphorn-Duo, wie es Norderstedt noch nicht gesehen hat. Der Orchesterleiter Urs Stähli und ein junger Blechbläser spielen zufällig passend zu den Dias mit den schneebedeckten Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau im Hintergrund zwei typische Alphorn-Stücke. Es folgt ein Quiz zu typisch schweizerischen Mundartvokabeln. Dann ein Poetry-Slam- Wettbewerb  von drei Norderstedter Schüler/innen, welches einen der Schweizer so motiviert, dass er spontan eine Kurzgeschichte in Berner Mundart vorträgt, dass es einem den Atem verschlägt. Rauschender Beifall ist sein Lohn. Nachdem alle Streicher beider Orchester ungeprobt den berühmten Kanon von Pachelbel vom Blatt spielen, wird der Abend beschlossen mit einem improvisierten Kreisspiel mit 100 Musiker/innen. Die Regeln werden ständig neu verhandelt, das Ganze macht den Beteiligten so viel Spaß, dass die beiden Lehrer um 22:00 mehrfach darauf hinweisen müssen, dass der Hausmeister gleich abschließt und den Abend nur mühsam beenden können. Ein wirklich gelungener gemeinsamer Abschluss des Austausches.                     

Der Wetterbericht ist eigentlich gar nicht so schlecht für den 12.Juli, aber die Exkursion des Symphonic Orchesters an die Nordsee nach St-Peter-Ording ist wettermäßig nicht so der Knüller. Das tut aber der guten Stimmung unter den Beteiligten keinen Abbruch. Schon im Bus wird gesungen, was das Zeug hält, der Marsch durch die Salzwiesen von St-Peter-Dorf bis zur Seebrücke im strömenden Regen wird klaglos ertragen. Alle sind klitschnass, als sie bei „Gosch“ eintreffen. Dafür entschädigt das leckere Mittagessen, natürlich mit Schwerpunkt Fischgerichte. Danach geht es noch an den Strand, einige stemmen sich den Windböen und dem peitschenden Regen entgegen, andere flüchten sich in die „Arche Noah“, um einen „Lumumba“ zu genießen. Man ist aber beeindruckt von den Naturgewalten, die man aus der Schweiz zwar auch kennt, aber eben anders. Viele hatten eine so raue See noch nie gesehen. Erneut gut gelaunt geht es mit dem Bus zurück nach Norderstedt. Dort laufen bereits für den letzten Abend die Vorbereitungen für ein gemeinsames Grillen, das von Eltern spontan privat organisiert wird. Die Erwachsenen (Musiker und Orchesterleiter) treffen sich noch zu einem gemeinsamen Essen.

Am Donnerstag, dem 13.Juli, geht es dann, viel zu früh, zurück in die Schweiz und es kommt wie schon erwähnt zu vielen herzlichen Abschieden, auch zu Verabredungen. Allgemein ist man sich einig, dass das ein sehr schöner, erfolgreicher und bewegender kultureller Austausch war. Der vielfach geäußerte Wunsch nach Wiederholung wird von den beiden Leitern angesichts zweijähriger Vorbereitungszeit allerdings zurückhaltend beantwortet. Lust dazu ist auf beiden Seiten vorhanden. Mal sehen, was die Zukunft bringt.

Abschließend möchten wir uns noch bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken:

  • Allen Gastfamilien
  • Vielen Helfern aus den Reihen des SOLG
  • Dem Lessing-Gymnasium Norderstedt
  • Der staatlichen Jugendmusikschule Hamburg
  • Der Stadt Norderstedt
  • Der Kulturstiftung Norderstedt
  • Dem Lions-Club Norderstedt – Forst Rantzau

Ohne sie wäre der Austausch nicht möglich gewesen.

Norderstedt, 23.7.2017    Stefan Köttgen

 

 

Hier ist das vollständige Programmheft als PDF-Datei.