Beim Konzert des jungen Gitarrentalents John-Robin Bold (Kl.13k) am 23.3.15 im Forum des LGN wusste man kaum, was manjohn-robin-bold-gitarre mehr bewundern sollte: die professionelle technische Perfektion, die ungeheuer reife Musikalität, das Gespür für Klänge oder die Gedächtnisleistung, ein schweres abendfüllendes Programm auswendig zu spielen. Die etwa 40 Zuhörer (die 10fache Zahl wäre angemessen gewesen) sparten denn auch nicht mit Beifall. Immer wieder wurde der Künstler schon vor der Pause auf die Bühne geholt. Ganz am Schluss des Abends konnte er sich einer Zugabe nur mit dem Hinweis erwehren, dass das letzte Stück „Farewell“ geheißen habe.

Dabei war es keineswegs leichte Kost, die John-Robin bot. Im ersten Teil bewies er seine Vielseitigkeit mit für Durchschnittshörer weitgehend unbekannten Kompositionen aus dem 20.Jahrhundert, darunter „Subconscious wave“ des französisch-rumänischen Komponisten Horatiu Radulescu. In dieser von der sogenannten „Spektralmusik“ beeinflussten Komposition wird mit Obertönen und experimentellen Spieltechniken gearbeitet. Da wurde die Gitarre mit einem Geigenbogen bearbeitet, eine verwirrend unruhige Audioeinspielung mit blubbernden und glucksenden Klängen lief im Hintergrund, die Stimme wurde eingesetzt, um flirrende Interferenzen mit dem Nachklang der Gitarrensaiten zu erzeugen. Für viele Zuhörer sicher ungewohnte Klänge, die aber so überzeugend vorgetragen wurden, dass es auch hier schon reichlich Beifall gab.

Danach ging es rein akustisch weiter mit „Pour guitare“ von Claude Vivier (1975), einem weiteren Vertreter der Neuen Musik und „24 Preludios“ des mexikanischen Komponisten Manuel M. Ponce, letztere mit Anklängen sowohl an die Musik der 20er Jahre, als auch an mexikanische Folklore.

26.11.13-boldNach diesen zeitgenössischen Raritäten ging es im zweiten Teil weit zurück ins 16.Jahrhundert. Nach 3 unbekannten Stücken von John Dowland, einem Komponisten der elisabethanischen Zeit, spielte John-Robin als Höhepunkt des Programms vier seiner technisch und musikalisch äußerst anspruchsvollen chromatischen Fantasien. So ergreifend schön spielte Bold nun auf seiner achtsaitigen Gitarre, dass es mucksmäuschenstill im Saal war, kein Huster störte den musikalischen Hochgenuss. Ein kompliziertes polyphones Geflecht aus chromatischen Linien wurde so plastisch und trotzdem mit emotionaler Tiefe gespielt, dass man sich fragte, ob das wirklich ein Schüler ist, der da in seine Gitarre versunken auf der Bühne sitzt und so sicher spielt wie ein Profi. Die ganz wenigen Stellen im 90minütigen Programm, an denen vielleicht mal eine Saite nicht ganz ansprach, konnte man an einer Hand abzählen. Die Schwierigkeit des Programms entsprach höchstem professionellen Niveau, umso schöner, dass John-Robin über der Technik stand und das Publikum die Schönheit der Musik genießen ließ. Langanhaltender Schlussapplaus.

Ich bin mir sicher: von diesem großartigen Musiker wird man noch viel hören.

Stefan Köttgen, 27.03.2015