horvath

Es wurde viel marschiert in der vergangenen Woche im Kulturwerk. Schülerinnen und Schüler des ästhetischen Profils des Jahrgangs Q des Lessing-Gymnasiums brachten nach einjähriger Vorbereitung im Fach Darstellendes Spiel das Theaterstück „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth auf die Bühne.

Der Autor entwickelt vor dem Hintergrund eines nationalsozialistischen Zeltlagers zur Wehrertüchtigung eine Kriminal- und Liebesgeschichte voller Verwicklungen, die keine durchgehend lineare Erzählstruktur aufweist, sondern mithilfe von Rückblenden und Traumszenen teilweise achronologisch präsentiert wird. Als Konsequenz dieser Voraussetzung begnügt sich die Inszenierung der Qk mit einem reduzierten Bühnenbild, das sich durch minutiös geplante Umbauorganisation so schnell verändern lässt, dass der Erzählfluss nur kaum verzögert wird. Die stark auf die Textebene konzentrierte Inszenierung profitiert von intensivem und differenziertem Schauspiel, versiertem und abwechslungsreichem Stimmeinsatz und nicht zuletzt von einer – insbesondere bei den Hauptrollen zu beobachtenden – beeindruckenden Textsicherheit. Als Strukturierungshilfe zum Verständnis der verschiedenen Erzählebenen kommt ein aufwändiges Beleuchtungskonzept zum Einsatz, das durch atmosphärestiftende Klangeffekte ergänzt wird.

Was das Raumkonzept betrifft, rückt das Publikum näher ans Geschehen als im traditionellen Theater. So bevölkern immer wieder Bühnenfiguren das Parkett und erleichtern den Zuschauern dadurch eine Identifikation mit den verschiedenen Rollen. Der Saal wird darüber hinaus durch die Präsentation historischen Anschauungsmaterials in Form von Propaganda- bzw. Protestplakaten zum Ausstellungsraum, der, gepaart mit Einspielern von zeitgenössischen Reden des Führers an die Hitlerjugend, die Anwesenden eintauchen lässt in die beklemmende Lebenswelt der späten 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Erfahrung der beiden Aufführungen zeigt, dass auch ein ernstes Thema wie das des Faschismus durchaus einen Platz im Schultheater hat, insbesondere dann, wenn es den jungen Schauspielern gelingt, die Spannung und die Aufmerksamkeit des Publikums über die gesamte Spieldauer von zwei Stunden zu halten, ohne dabei Zugeständnisse an die inhaltliche Dichte der Dramenvorlage machen zu müssen.

HFM