Wie schrieb der berühmte Hamburger Musikkritiker Otto Spingel: „Streichquartett zu spielen erfordert eine höhere Musikalität als jede Opernarie“. Und so war die Aufregung groß, als die beiden Streichquartette des LGN, „Lessing-Quartett“ und „Lessing-Töne“ zu ihrem bis dahin längsten und größten Konzert antraten. Vor unbekanntem Publikum, open air und ganze 90 Minuten – so ein großes Programm mit mehr als 15 einzelnen Stücken, würde das gut gehen? Die Skepsis wuchs, als das angekündigte Wetter – 20°C und windstill – nicht eintrat. Im Gegenteil, ein kalter Wind blies über den Rathausmarkt und erforderte eine gute Befestigungstechnik der Noten auf dem Notenständer. Die Finger waren schon vor Beginn ziemlich kalt, aber open air ist eben open air. Und welche Überraschung: es ging vor vollbesetzten Stuhlreihen alles gut, die Akustik erwies sich als ganz passabel und die jungen Musikerinnen (überwiegend 9.Klasse) spielten sicher und souverän ihr anspruchsvolles Programm. Ein ganzes Haydn-Quartett war dabei, Kenner

Lessing Töne in Aktion

wissen, wie diffizil diese Musik ist. Aber offenbar keine Spur von Aufregung: beide Quartette trotzten der Kälte und begeisterten das Publikum. Gewiss glückte der eine oder andere schwierige Lauf bei den Temperaturen nicht ganz, aber sie ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und brachten ihr Programm sicher zu Ende. Ganz souverän einmal mehr Noemi Abraham als Primaria des „Lessing-Quartetts“, die mit schönem Ton und sicherer Intonation das Quartett führte. Und der Quartett-Klang war durch den sonoren Celloton von Nicole Baumann sehr schön rund und warm. Die vier zeigten ebenso gutes und sicheres Zusammenspiel wie die „Lessing-Töne“, mit Anastasija Djokic an der 1.Violine. Noch nicht ganz so erfahren wie Noemi brachte sie ihre „Feuertaufe“ gut über die Bühne und auch dieses Quartett zeigte das hohe musikalische Niveau schon der jüngeren Jahrgänge am LGN. Zum Abschluss spielten alle 8 Musikerinnen einige Stücke gemeinsam als Oktett. Das Publikum belohnte die bunte Mischung aus klassischen Stücken und Arrangements aus der Popmusik mit starkem Beifall, forderte sogar nach 90 Minuten noch eine Zugabe, dieser Wunsch wurde  aber angesichts der nun wirklich eiskalten Finger nicht erfüllt. Aber die musikalische „Reifeprüfung“ war zur Freude beider Quartette und ihres Lehrers bestanden. Franz Maletzke vom Weltladen bedankte sich mit leckeren fair gehandelter Schokolade bei den jungen Künstlerinnen. Das nächste Konzert in 2018 sollte denn aber doch eher im Hochsommer stattfinden.

Stefan Köttgen (Musiklehrer)