John-Robin Bold 04.06.2016

 

Es gibt ja Musiker, die füllen dank guter Manager große Konzertsäle, ja selbst ganze Stadien, sind aber im günstigsten Fall mittelmäßig, manchmal richtig schlecht. Es gibt aber auch Musiker, die sind grandios, ziehen aber keine Massen in den Konzertsaal. Einen solchen erlebten 20 begeisterte Zuhörer am Samstag, dem 04.Juni, im Forum des Lessing-Gymnasiums. Der Rezensient bedauert wirklich diejenigen, die stattdessen den langweiligen Kick Deutschland-Ungarn vorgezogen haben.

John-Robin Bold, mehrfacher Preisträger, spielte ein anspruchsvolles Gitarrenprogramm, wie immer komplett auswendig und begann mit einer Komposition von Fernando Sor, der Fantasia op.30. Schon hier bewies John-Robin einmal mehr, dass er ein technisch ausgereifter Musiker ist, bei dem nichts wirklich schwierig klingt, selbst wenn es das ist. Mit großer Sensibilität und feinem Gespür für Dynamik baute er seine Interpretation auf, selbst feinste melodische Verästelungen, über die ein anderer vielleicht hinweg gespielt hätte, wurden so ausgespielt, dass sie ihren Stellenwert bekamen. Manchmal horchte er vielleicht zu sehr in Pianissimo-Schlüsse hinein und dehnte sie zu sehr aus. Musikalisch war der Sor ein Genuss, noch dazu fehlerfrei gespielt. Auch die Interpretation der Suite von Federico Mompou, einem impressionistischen Komponisten, war überzeugend, obgleich sie an der Schwäche der Komposition nichts ändern konnte (Hier ist John-Robin übrigens ganz anderer Meinung).

Grandios und so wohl noch nie gehört dann im zweiten Teil die Bach-Suite in

C-Moll, ursprünglich für Lautenclavier geschrieben, oft vereinfacht, von John-Robin aber neu arrangiert, dem Urtext entsprechend. Er spielte das Stück auf einer 8-saitigen Gitarre, um die originale Bassstimme hören zu lassen, die andere Gitarristen weglassen oder vereinfachen. Großartig, wie John-Robin die Kontrapunktik der Fuge so durchsichtig macht, als hätte er nicht 4 Finger zum Greifen, sondern 10. Jeder Themeneinsatz wird genau herausgemeißelt, man hört sogar Steigerungen in einer Stimme, während die andere Stimme ein Decrescendo macht. Dass das Stück eigentlich unspielbar ist, hört nur an ganz wenigen Stellen der Experte, ansonsten hört man nur Spielfreude pur.

Seine stilistische Bandbreite bewies   der Künstler dann mit einem originellen Stück von Eisler-Schüler Georg Katzler, in dem das Publikum über die Reihenfolge der Sätze bestimmen konnte. Ganz ungewöhnliche Klänge durch neuartige Spielweisen entlockte John-Robin dem Instrument, tat dies aber musikalisch überzeugend und mit großer technischer Sicherheit. In der Zugabe wurde dann noch Live-Elektronik eingesetzt, John-Robin improvisierte über einen elektronischen Hintergrund wabernder Klangflächen, verfremdete seine Ton per Laptop. Sehr spannend!

Selten hört man ein Konzert eines Solo-Künstlers mit einem stilistisch so weit gefächerten Programm, mit Kompositionen aus Barock, Klassik, Impressionismus und Avantgarde.

 

Ich bin sicher, von John-Robin Bold wird man noch viel hören und ich kann nur jedem empfehlen, sich sein nächstes Konzert nicht entgehen zu lassen.

Stefan Köttgen (Musiklehrer), 04.Juni 2016