Die Fächer evangelische Religion und Philosophie stellen sich vor

 

Liebe Eltern,

nach Artikel 7 Absatz 3 des Grundgesetzes ist Religionsunterricht an allen öffentlichen Schulen ordentliches Lehrfach. Im Land Schleswig-Holstein wird er als evangelischer bzw. katholischer Religionsunterricht erteilt. Schülerinnen und Schüler, die aus Glaubens- oder Gewissensgründen nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollen, erhalten gemäß Schulgesetz § 7 Absatz 2 anderen Unterricht, am Lessing-Gymnasium im Fach Philosophie.

In Bezug auf die Leistungsbewertung und die Versetzung haben beide Fächer die gleiche Bedeutung.

 

Was möchte der Religionsunterricht?

Der Religionsunterricht möchte Ihr Kind darin unterstützen, sich selbst in der Vielfalt der kulturellen und gesellschaftlichen Wirklichkeit zu verstehen. Sein Ziel ist es, Orientierung für das eigene Denken und Handeln zu bieten, um vermeintliche Gewissheiten, kulturelle Wertorientierungen und gesellschaftliche Strukturen zu reflektieren. Neben fachgebundenen Themen finden auch die Fragen der Kinder (bezüglich aktueller Ereignisse) Raum im Unterrichtsgeschehen. Dadurch werden die Lernenden dazu befähigt, Bereitschaft zur Empathie zu entwickeln sowie eigene Überzeugungen und das eigene Weltbild zu hinterfragen.

Grundlage für den evangelischen Religionsunterricht ist nicht die christliche Unterweisung, das heißt, es geht nicht um die Vermittlung des christlichen Glaubens, sondern um eine Auseinandersetzung mit christlichen Traditionen und Werten. Ihr Kind wird mit der biblischen Botschaft vertraut gemacht und lernt, die Glaubens- und Vorstellungswelt zu verstehen und mit seinen Lebensfragen zu verbinden. Dies geschieht, weil unsere Geschichte, unsere Kultur und viele Kulturgüter vom christlichen Glauben geprägt sind. Ihr Kind soll diese Zusammenhänge erkennen und bewerten lernen, um seine Identität im hiesigen Kulturkreis zu finden und zu verstehen.

Damit Ihr Kind Perspektivenvielfalt und Dialogfähigkeit im Umgang mit verschiedenen Kulturen erlernt, finden neben verschiedenen christlichen Konfessionen und ihren Anliegen auch andere Religionen und Weltanschauungen nähere Betrachtung. Schließlich kann es in unserer pluralen Gesellschaft nur so gelingen, Vorurteilen zu begegnen und sie abzubauen.

Wichtiges Ziel des Religionsunterrichts ist es, für ein erfolgreiches Zusammenleben unabdingbare Werte bewusst zu machen und zu vermitteln. Denn für unsere Kinder ist es wichtig, den Raum bzw. Anregungen zu bekommen, um sich mit Fragen auseinanderzusetzen, die für ihre seelische Entwicklung und für ihren Reifungsprozess von großer Bedeutung sind.

 

Was möchte der Philosophieunterricht?

Der Philosophieunterricht erzieht zu einem nachdenklichen Umgang mit Erfahrungen, Vorstellungen, Fragen und Problemen. Im Philosophieren gewinnt Ihr Kind Zutrauen zu seinem eigenen Verstand und Freude daran, seine Tragweite in verschiedenen Situationen zu erproben. Im Mittelpunkt der Philosophie steht der Mensch, der fragt, wie weit seine Erkenntnis reicht und aus welchen Gründen sie sich herleitet, an welchen Werten er sein Handeln und sein Leben mit anderen ausrichten soll, wie er sein Leben insgesamt glaubwürdig deuten kann.

 

Aspekte solcher Menschheitsfragen finden sich wieder in Fragen, wie sie bereits Kinder bisweilen stellen:

  • Wie nah muss ich an einen Gegenstand herangehen, um ihn in seiner wirklichen Größe zu sehen?
  • Wir sehen alle dasselbe, aber, wenn wir es malen, sieht es bei jedem anders aus. Wie kommt das?
  • Können Tiere sprechen? Haben Pflanzen Wünsche? Lebt das Wasser?
  • Soll ich durch eine Lüge einem Freund aus der Klemme helfen?
  • Warum gibt es kein Spiel ohne Regeln?
  • Welcher Teil von mir ist wirklich ich?
  • Wo war ich, bevor ich auf die Welt gekommen bin? Was ist hinter dem letzten Stern?

 

Wer philosophiert, hat den Vorsatz, durch eigenes Nachdenken zu einer Überzeugung zu gelangen. Darum macht auch der Philosophieunterricht dies zu seiner Grundlage. Ein solches Nachdenken zielt auf begründete Einsichten, denen auch andere zustimmen können. Es ist verbunden mit dem Willen, sich selbst und andere durch Gründe zu überzeugen, und dementsprechend mit der Bereitschaft, sich durch Gründe überzeugen zu lassen.

Auf diese Weise übt der Philosophieunterricht die gedanklichen und gesellschaftlichen Regeln einer engagierten und darum friedlichen Verständigung; er sucht das, was die Menschen verbindet, im Erkennen und Anerkennen solcher Verbindlichkeiten.

Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit, sie erwächst aber dennoch auch aus dem kindlichen Umgang mit Fragen und Problemen. Im Nachdenken prüft man seine Gedanken, prüfend erprobt man sie und kann mit seinen Vorstellungen spielen. Wenn ein Kind fragt: „Was wäre, wenn…?” oder „Könnte dies auch anders sein?”, dann erlebt es unsere Welt im Lichte vielfältiger Möglichkeiten und nimmt sie dadurch deutlicher wahr.

In diesem Sinne entwickelt der Philosophieunterricht alle Verstehensanlagen des Kindes. So bringt er philosophische Gedanken aus Vergangenheit und Gegenwart ins Spiel und ins Gespräch. Ihr Kind erfährt dabei etwas von der Geschichte der Philosophie und den Geschichten der Philosophen.

(Stand Juli 2016)

 

Schulinternes Fachcurriculum evangelische Religion

Auf der Grundlage der in den Fachanforderungen „Evangelische Religion. Allgemein bildende Schulen. Sekundarstufe I/II.“ aufgeführten Kompetenzbereiche finden Sie hier ausgewählte Unterrichtsinhalte:

 

Klassen 5/6

  • Zeit und Umwelt Jesu
  • Gleichnisse/ Reich Gottes – Verkündigung
  • Dekalog
  • Schöpfung
  • Biblische Gestalten (z.B. Abraham, Amos, Paulus)
  • Die Bibel: Orientierung – Aufbau – Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte
  • Gottesvorstellung/ Gottesbild
  • Vergleich „Judentum – Christentum – Islam“: Feste und Feiern, Gebete und Bekenntnisse

 

Darüber hinaus finden Unterrichtssequenzen zu folgenden Schwerpunkten Berücksichtigung:

  • Symbole
  • Glück
  • Freundschaft
  • Armut und Reichtum
  • Gewissen- und Gewissensbildung
  • Flucht und Asyl

 

Einführungsphase I – Die Frage nach Gott

  • Biblisches Reden von Gott: verschiedene Zugänge zu biblischen Texten
  • Religiöse Sprachformen (Wundergeschichten, Psalmen, Schöpfungsmythen)
  • Jesus Christus: der historische Jesus und der kerygmatische Jesus Christus

 

Einführungsphase II – Die Frage nach dem richtigen Handeln

  • Identitätsentwicklung (Werte, Normen, Gewissen, etc.)
  • Ethische Modelle (Pflichtenethik, Utilitarismus, etc.)
  • Materialethische Themen: Sterbehilfe, Präimplantationsdiagnostik, Genmanipulation, Umweltethik
  • Grundbausteine einer christlichen Ethik

 

Qualifikationsphase I.1 – Die Frage nach der Religion

  • Problematisierung des Religionsbegriffs
  • Verschiedene Formen von Religion in ihrer historischen Ausprägung (Funktion von Religion, Ausdrucks- und Lebensformen von Religion, etc.)
  • Verhältnis von Religion und Herrschaft: Zwei-Regimenten-Lehre; Staat und Kirche, Laizismus und Gottesstaat

 

Qualifikationsphase I.2 – Die Frage nach dem Menschen

  • Der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes
  • Menschenwürde und Menschrechte
  • Schuld und Sünde, Rechtfertigungslehre (Martin Luther: simul iustus et peccator)
  • Dimensionen des Freiheitsbegriffes

 

Qualifikationsphase II.1 – Die Frage nach den Religionen in der Gesellschaft

  • Wahrheitsfrage, Absolutheitsanspruch, Formen fundamentalistischen Denkens und Handelns im Kontext gegenwärtiger und historischer Fragestellungen und Konfliktlagen
  • Religionen in Geschichte und Gegenwart
  • Thematischer Vergleich zwischen verschiedenen Religionen
  • Dialog zwischen Religionen und Konfessionen

 

Qualifikationsphase II.2 – Die Frage nach Gott (Vertiefung)

  • Gottesvorstellungen des AT (Schöpfergott, strafender Gott, etc.)
  • Theodizee- und Leidfrage (z.B. Hiob, klassische und moderne Antwortversuche)
  • Religionskritik, neuer Atheismus
  • Gottesbeweise

 

Schulinternes Fachcurriculum Philosophie (ausgewählte Themen)

Klasse 5

  • Wirklichkeit als Gegenstand sinnlicher Wahrnehmung
  • Umgang mit der Natur als Bereich gesellschaftlicher Verantwortung: Leben mit Tieren
  • „Glücklichsein“ als Ziel menschlichen Lebens
  • Der Mensch als spielendes Wesen

 

Klasse 6

  • Vieldeutigkeit der Sprache als Herausforderung zur begrifflichen Präzisierung
  • Familie als Ort unterschiedlicher Ansprüche und Erwartungen
  • Ursprungsvorstellungen als Bilder menschlicher Weltdeutung
  • Der Mensch als lernendes Wesen

 

Klasse 7

  • Vorstellungen als Möglichkeiten der Welt- und Selbstwahrnehmung
  • Das Andere als Beschränkung und Bereicherung meiner Handlungsmöglichkeiten
  • Bedrohung als lebenserhaltende/ lebenszerstörende Macht
  • Der Mensch als denkendes Wesen

 

Klasse 8

  • Selbstbild und Fremdbild als Aspekte der Selbsterkenntnis
  • Gewissen als kritische Instanz verantwortlichen Handelns
  • Vorstellungen und Begriffe des Göttlichen
  • Der Mensch als arbeitendes Wesen

 

Einführungsphase I: Einführung in das philosophische Denken (Anthropologischer Reflexionsbereich)

Einführungsphase II: Ethisches Begründen, Urteilen und Handeln (Moralisch- praktischer Reflexionsbereich)

Qualifikationsphase I.1: Wahrnehmen, Erkennen und Denken (Erkenntnistheoretischer Reflexionsbereich)

Qualifikationsphase I.2: Metaphysisches Fragen und Deuten (Metaphysischer Reflexionsbereich)

Für die Kurse des Q2-Jahrgangs ist die Themenwahl als Fortführung der vier Reflexionsbereiche auszurichten.