Der Schweiz-Austausch des Sinfonieorchesters des LGN  gehört sicherlich zu den Höhepunkten im Orchester-Leben und ist auch einer der Höhepunkte im diesjährigen Musikgeschehen am LGN.  Der erste Teil, die Konzertreise in die Schweiz, ist erfolgreich absolviert, der zweite Teil, der Gegenbesuch der Schweizer im Juli in Norderstedt steht noch bevor. Lesen Sie den Bericht, genießen Sie die Fotos und Videos (Brahms, Schostakowitsch) von den gemeinsamen Konzerten in der Schweiz:

Bericht 

Am Freitag, dem 27.01.2017, fuhr das Sinfonieorchester des Lessing-Gymnasiums SOLG auf die lang ersehnte Orchesterfahrt in die Schweiz. Die Fahrt ist  Teil eines Austausches zwischen unserem Orchester und dem Symphonic Orchester Gürbetal bei Bern.

Nachdem die Zeugnisse verteilt waren und wir die Instrumente in den Transporter geladen hatten, ging es endlich los. Ahmet, der für die nächsten Tage unser Busfahrer sein würde, und seine Frau hießen uns im Bus willkommen. Zwischendurch machten wir an einigen Raststätten Pause. Ohne große Zwischenfälle erreichten wir nach ca. 14 Stunden Belp, wo uns schon die Familien erwarteten und uns freundlich empfingen.

Samstag, 28.01.17.  Diesen Tag begannen wir mit einer Probe. Die Gastfamilien brachten uns nach Belp, wo wir mit dem Symphonic Orchester Gürbetal zusammen probten. Wir spielten einen Walzer von Schostakowitsch, den wir auch gemeinsam auf dem Konzert am Mittwoch spielen sollten. Danach lauschten wir der Probe des SO, dann probten wir selber.

Der nächste Programmpunkt war ein Besuch in Bern. Dort stiegen wir als erstes auf einen Aussichtspunkt hinauf, wo wir einen ersten Blick auf die wunderschöne Stadt Bern werfen konnten. Nun folgte die Einteilung der Gruppen für die Führungen. Zur Auswahl standen „Bern ent-sorgt“, Besichtigung des Münsters und ein Besuch im Einstein-Museum. Zusammen mit der jeweiligen Gruppe wurde man auf dem Weg zur Führung durch Bern geführt und mit Hintergrundwissen gefüttert.

Nach den Führungen hatten wir Freizeit in Bern. Gruppenweise durften wir durch die Stadt laufen. Am Abend fuhren wir vollgepackt mit den verschiedensten Eindrücken mit dem Bus zurück nach Belp, wo uns die Gastfamilien erwarteten und uns nach Hause brachte.  (Johanna Boehle)

Am Sonntag, dem 29.01.17, hatten wir den zweiten Geburtstag auf dieser Reise zu feiern. Ein Cello wurde nämlich volljährig. Deswegen – und weil kein weiteres Programm für den Vormittag geplant war – hatten sich die Gastfamilien teilweise sehr schöne Dinge überlegt, die sie mit uns Nordlichtern machen konnten.

Manche waren schlitteln, andere kamen in noch mehr Genuss der schweizerischen Küche und wieder andere erkundeten nächstgelegene Dörfer. Manche fauleren Gemüter unter uns nutzen den freien Vormittag aber auch einfach, um Schlaf nachzuholen oder den plötzlichen Internetentzug zu kompensieren.

Um halb drei mussten dann aber auch alle wieder an die Arbeit, die dieses Orchester nun mal hauptsächlich verrichtet. Proben. Diesmal im Altersheim für unser erstes Konzert vor gesamt „ausländischem“ Publikum.

Nach ca. einer Stunde Probe, die vor allem der Gewöhnung an die Akustik in dem insgesamt sehr langen, trotzdem niedrigen Saal diente, gab es etwa eine halbe Stunde Pause, um sich noch ein wenig ansehnlicher für die älteren Herrschaften zu machen.

Das Konzert selbst begann dann gegen vier und zog sich von Anfang an etwas mehr in die Länge als üblich.

Herr Köttgen hatte nämlich keinerlei Notizen dabei (ob er welche vorbereitet hat, wissen wahrscheinlich nur die Wenigsten) und so sprudelten Wissen und kleine Geschichten über nahezu alle Komponisten, die wir spielten, aus ihm heraus. Die älteren Herrschaften waren aber durchaus angetan von all diesen Fakten, mit denen um sich geworfen wurde, als auch von der Musik, die wir in diesem schuhkartonförmigen Saal produzierten.

Was sie von unseren Gesangskünsten hielten, die man bei Menschen, die wahrscheinlich nicht ohne Grund das Instrument anstatt ihrer eigene Stimme gewählt hatten, vielleicht auch eher nicht herausfordern sollte, wurde nicht so klar. Aber das Lied „An ne Eck steit ’n Jung mit’m Tüddelband“ trug sicherlich zur Belustigung einiger bei.

Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses Auftaktkonzert okay war. Viele in diesem Orchester spielten Teile des Programms nun zum ersten Mal vor Publikum und das gelang ihnen auch wirklich gut.

Nachdem die Senior/innen wieder ihrem gewohnten Alltag nachgehen konnten, gab es für uns noch äußerst vorzügliche belegte Brötchen…-Stangen? Und: RIVELLA!

Meine Güte, wie viele von uns Nordis haben sich in das Schweizer Nationalgetränk verliebt. Es ist aber auch gut. Wenn auch skurril, wenn man bedenkt, dass sich da irgendein Schweizer im Grunde nur eine elegante Wiederverwendung von einem Käseherstellungsabfallprodukt einfallen lassen hat.

Um 18 Uhr hat Ahmed (yay) uns dann alle zurück nach Belp in die Musikschule gebracht, wo ein großer Spieleabend zwischen dem Schweizer Orchester, dem Symphonic Orchester (SO) und uns geplant war. Überall in den Übungsräumen waren also diverse Gesellschaftsspiele aufgebaut und so brach auch langsam das Eis zwischen uns Jugendlichen.

Im Keller wurde die Schweizer Variante von Lotto gespielt, was so manchen süchtig gemacht, aber viele auch zu Gewinnen gebracht hat.

Der Spieleabend war also wirklich eine tolle Idee seitens der Schweizer Organisatoren.

Montag, der 30.01.17.Wir waren schlitteln! Also rodeln. Aber in cooler. Nämlich anstatt nur schnöde und gradlinig 200m den Hügel runter, 12km(!) durch Serpentinen, mit extremen Steigungen, Eisflächen, oder Pulverschnee, links und rechts nur Abhang mit oder ohne Wald.

Manche hatten sogar Helme von ihren Gastfamilien bekommen. Das und die abenteuerliche Fahrt mit den Schlittelbussen über dieselbe Strecke, die gerodelt werden sollte, auf den Gipfel bewirkte dann doch ein mulmiges Gefühl. Vor allem war die Busfahrt nach oben physikalisch eigentlich gar nicht möglich. An den Hinterachsen Schneeketten und der Bus selbst ein wenig kleiner als ein normaler Linienbus. Und trotzdem sind die Dinger um jede Kurve gefahren, als wenn nichts los wäre. Wir hätten auf dem Schlitten ja schon so manche Kurve beinahe verfehlt und die Busfahrer fahren da seelenruhig einmal die Stunde hoch und runter und haben nebenbei auch noch die Gelassenheit ihre Passagiere mit ihren Jodelkünsten zu beeindrucken.

Also zumindest war einer der drei, die wir an dem Tag kennen lernen durften tatsächlich ein äußerst guter Jodler.

Auf dem Gipfel angekommen gab es dann erst einmal eine Stärkung in Form von Suppe, Brot und Getränken (leider kein Rivella). Satt und nachdem sich alle in ihre Schneehosenkostüme geworfen hatten, ging es dann endlich auf die Piste.

Mein Gott, wie sind wir da runter gesaust. Hin und wieder hat sich mal einer hingelegt oder ist von der Bahn abgekommen, aber an sich waren alle nur ausgelassen glücklich und hatten unglaublichen Spaß. Für viele war das Schlitteln abschließend gesehen einer der Hauptgründe wieder in die Schweiz zu kommen.

Insgesamt schafften wir in der Zeit, die wir dort in Grindelwald bekommen hatten, drei Abfahrten, die jeweils auch gut in einem Bereich von 10-20 Minuten lagen.

Pünktlich, als wir fertig waren fing es an zu regnen und die eh schon nassen Klamotten hatten nun überhaupt keine Rettung mehr in Sicht.

Allerdings stand nach dem Schlitteln ja noch Raclette an. Also holte Ahmed uns wieder ab und fuhr uns zu einem hübschen und großräumigen Gebäude – es war wohl eine Kirche – wo sogar schon alles gedeckt war.

Nun war das Raclette nach Schweizer Art und nicht ganz so, wie wir das hier zum Bespiel zu Sylvester kennen. Die Schweizer ziehen es nämlich vor ihren nahezu heiligen Käse allein weich werden zu lassen, um diesen dann mit etwas weniger ausgefallenen Beilagen, als bei uns, nebeneinander zu genießen. Der Käse soll natürlich im Vordergrund stehen, also warum Dinge überbacken, wenn man sich die lästigen Unterlagen auch sparen kann?

Auch dieser Abend war wieder ein sehr gelungener und nach etwa zwei Stunden essen und nette Gespräche mit den Orchesterkollegen führen, wurden wir dann alle von unseren Gastfamilien abgeholt, um bei ihnen satt und erschöpft ins Bett zu fallen.

Dienstag, der 31.01.17, hieß es früh aufstehen. Der Bus, beziehungsweise Ahmed (yay), fuhr um 8:40h aus Belp los nach Broc, in die französische Schweiz. Dort steht nämlich die Schokoladenfabrik der Marke „Cailler“, welche so ganz nebenbei diejenigen waren, die die Idee hatten Schokolade in Tafeln herzustellen und das Ganze als Süßware und nicht mehr nur als Vergnügungsgetränk für Adlige zu verkaufen. Das und noch viele weitere historische Fakten zur Entstehungsgeschichte der Schokolade erfuhren wir im Museum, welches Cailler freundlicherweise für Touristen wie uns in ihrer Fabrik integriert hatten.

An verschiedenen Bildern an der Wand konnte man sich ganz viel rund um alles, was Schokolade betrifft, erzählen lassen. Außerdem konnte man live bei der Produktion zugucken und natürlich auch alles, was sie so an Schokolade produzieren, probieren.

Sogar eine Anleitung, wie man Schokolade nach  ihrer Qualität prüft, konnte man mitmachen.

Nach dem Gang durch die Ausstellung ging es dann ans Schokoladekaufen.

Wir kauften für die nächsten Tage, die Rückfahrt, die Familie zu Hause, die Gastfamilie, auch für Freunde oder zum Beispiel seinen Instrumentenbauer. Wenn man die Möglichkeit hat produktionsfrische echte Schweizer Schokolade zu kaufen, dann deckt man sich natürlich  auch direkt für die nächsten Jahre komplett ein.

Die nächste Etappe für den Tag war dann das überschaubare Dörfchen Gruyère, wo wir im Grunde in erster Linie die Landschaft der Berge bestaunen konnten. Nach genug frischer Luft ging es dann weiter nach Fribourg, was sich im Grunde sehr gut als Bern in klein beschreiben lässt.

Auch hier hieß es wieder Landschaft und nicht zerbombte uralte Architektur bestaunen.

Nach diesem dann leider etwas vernieseltem Tag ging es in das beschauliche Restaurant „Stählis Rustica“, wo man uns schon ein umfangreiches Buffet vorbereitet hatte.

Die Stimmung war super, das Ambiente auch und das Essen war vorzüglich.

Nachdem wir nun den Abend ausklingen lassen hatten, wurden wir zurück nach Belp gefahren, um dort von den Gastfamilien abgeholt zu werden.

Am nächsten Tag hieß es nämlich wieder: Früh aufstehen und Konzert spielen.

Mittwoch, der 01.02.17, war Ahmed in Mannheim. Der Bus gab nämlich seit Montag herzzerreißende Todessschreie von sich und ließ sich auch nicht mehr im ersten Gang anfahren, sondern nur noch im dritten. Also musste Ahmed mit seiner Frau, Hund und Bus an seinem Geburtstag zurück nach Deutschland fahren, um das Fahrzeug reparieren zu lassen. Glücklicherweise war der Bus am Mittwoch auch nicht notwendig für die Tagesplanung. Dies war nämlich der Tag des Abschlusskonzerts im Aaresaal.

Halb zehn ging es es ans Proben und an diese fabelhafte Akustik sowie die schicke Bühne mit verschiedenen Ebenen gewöhnen. Nach ca. 2 ½ Stunden ging es mal wieder in ein Restaurant, was ganz viel Essen für uns vorbereitet hatte.

Mit vollem Magen stand dann der Nachmittag zur freien Verfügung. Eine Gruppe SOLGianer war in Bern Schlittschuh laufen und viele andere nutzten mal wieder die Möglichkeit ihre Faulheit auszuleben.

Später um 18Uhr stand die Vorprobe für das Konzert an. Das Symphonic Orchester probte ihre Stücke vor uns, dann wurde noch einmal der gemeinsame Walzer Nr.2 von  Schostakowitsch durchgegangen.

1 ½ Stunden später kamen die ersten Gäste und sogar der Bürgermeister von Belp. Das Schweizer SO begann mit seinem Programm und dann waren wir dran. Das letzte Mal dieses Programm, was wir nun schon über ein Jahr am Wickel hatten.

Das Publikum war von unserer Darbietung begeistert. Zumindest ließ der Umfang des Applauses und der Bravo-Rufe darauf schließen.

Zum Schluss hielten noch Dorothee, die Leiterin der Belper Musikschule; Urs, der Leiter des SO’s; und Herr Köttgen ihre Dankesreden.

Alle drei waren sehr bewegend und bei Herr Köttgens Abschlussworten musste wohl so mancher ein paar Tränchen verdrücken. Denn seine Worte „Wir kamen als Fremde und gehen als Freunde.“ konnte wohl jeder von uns zumindest ein bisschen auch auf sich selbst anwenden. Die Schweizer Gastfreundschaft ist nämlich schlicht und ergreifend wahnsinnig rührend und die Schweiz selbst ein Land mit sehr vielen schönen Fleckchen und Bergszenerien.

Nach offiziellem Ende und Zugabe des gemeinsamen Walzers hatten ein paar Gasteltern noch Essen, einen Apéro, in der Eingangshalle des Aaresaals vorbereitet. Also wurde der Abend mit vielen netten Gesprächen und gutem Essen beendet.

Donnerstag, der 02.02.17. Abfahrt. Leider hatten über Nacht sieben SOLGianer begonnen sich mehrfach zu übergeben. Zwei mussten sogar zu der Entscheidung kommen mit dem Flugzeug zurück nach Hamburg zu fliegen, da sie sich nicht in der Lage fühlten 14 Stunden Busfahrt zu überstehen.

Das größte Problem waren aber wohl die restlichen Kranken. Also wurden wir von Ahmets Frau und Dorothee mit Plastiktüten und Übelkeitstabletten überschüttet. Leider mussten sich dann doch über die Fahrt und besonders kurz vor dem Ziel noch mal mehrere Leute übergeben, sodass Frau Jahnel irgendwann nur noch gestresst im Bus hin und her lief und Plastiktüten an gefühlt das halbe Orchester verteilte.

Nichts desto trotz sind wir heil und sogar überpünktlich (nun ja, um 22Uhr) an der Schule angekommen.

Und dann fielen einfach nur noch alle Teilnehmer dieser abenteuerlichen Fahrt glückselig ins Bett.                                                   (Pheline Mouton)