Das Lessing-Gymnasium ist SHiB-Schule (Flyer)

Im Juni 2015 ist das Lessing-Gymnasium für seine überzeugenden Wege des Förderns und Forderns mit dem Zertifikat SHiB-Schule (Schleswig-Holstein inklusive Begabtenförderung) ausgezeichnet worden. Unser gemeinsames Ziel war es  und bleibt es weiterhin, neue Pfade zu ergründen, die uns helfen, die Stärken und Potentiale unserer Schülerinnen und Schüler zu erkennen und diese in einer angemessenen Lernumgebung zu fördern und wertzuschätzen.

Viele Fachschaften zeigten in der dreijährigen Projektphase ein  großes Interesse bereits vorhandene Förder- und Fordermaßnahmen weiterzuentwickeln und diese in den Unterricht zu integrieren. Dafür  wurde weiteres Lern- und Lehrermaterial angeschafft, das im Kollegium und auch bei den Schülerinnen und Schülern auf viel Zuspruch stieß. In der Fachschaft Kunst wurden  in einem klassenübergreifenden zeitlich begrenzten Projekt neue Wege beschritten, die alle Beteiligten gerne wiederholen und fortsetzten möchten  (siehe dazu auch den Beitrag „Begegnung mit dem Original“).

Die positive Bilanz nach drei Jahren Projektphase ist auch darauf zurückzuführen, dass bereits seit vielen Jahren ein umfangreiches Angebot an Arbeitsgemeinschaften an unserer Schule existiert. Aus dieser Arbeit ist ein großer Fundus an Erfahrungen und interessantem Aufgabenmaterial gewachsen, der gute Voraussetzungen für ein differenziertes Fördern und Fordern von Stärken und Begabungen vieler Lernenden an unserer Schule bietet.

Die schulinterne fachliche Beratung und Unterstützung durch Fachlehrer und Koordinatoren wird auch weiterhin durch Schülerpaten und Eltern ergänzt, die uns als Ansprechpartner für soziale Belange und als Unterstützer und Vermittler für ein motiviertes Lernen zur Seite stehen.

Die Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler  findet an unserer Schule seit vielen Jahren  in sehr vielen Fächern statt. Beispielsweise in Französisch über die Delfvorbereitungskurse und die Französisch-AG. In Mathematik werden viele Schülerinnen und Schüler unsere Schule von der 7. Klasse bis zur Oberstufe über die William-Stern-Gesellschaft der Universität Hamburg gefördert. Im Rahmen des TUHH-Kooperationsvertrages nehmen eine große Anzahl von Schülerinnen und Schüler  am Roboterbau und dessen Programmierung in der Computersprache Java oder C teil. Durch die Mathematik-AG werden vielen Schülerinnen und Schüler über alle Klassenstufen auf Mathematikwettbewerbe und gezielt auch auf Physikwettbewerbe vorbereitet. Im Fach Musik werden Schülerinnen und Schüler auch durch Einzelunterricht gefördert, so dass sie an Wettbewerben teilnehmen oder Hausmusikabende mitgestalten.

Seit mehreren Jahren nehmen einzelne Schülerinnen und Schüler der Orientierungs- und Mittelstufe am Drehtürmodell teil. Ihre Ergebnisse präsentieren sie durch Aushänge im Schulgebäude und/oder Präsentationen in ihrer Klasse und auf der Homepage der Schule (siehe dazu unter: Schüler – Förderung – Drehtürmodell).

Regelmäßig besuchen einige Schülerinnen und Schüler in den Ferien die Junior Akademie in Bad Segeberg oder St. Peter-Ording. Einige wenige Schülerinnen und Schüler nehmen am Frühstudium der TUHH teil.

Seit Januar 2015 wurde unser Schulkonzept des Förderns und Forderns durch den Bereich Lern-Coaching ergänzt. Lern-Coaching unterstützt das eigenverantwortliche Arbeiten der Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernprozess. Es zielt darauf ab, dass Schülerinnen und Schüler ihren Lernprozess reflektieren lernen, um ressourcenorientiertes Selbstmanagement aufzubauen und dadurch eine Erweiterung ihrer Lernkompetenzen und ihrer Wissensorganisation individuell und aktiv erzielen können. Lern-Coaching ist eine professionelle Beratung ohne ein Erteilen von Ratschlägen. Es ist somit eine lösungsorientierte Hilfe zur Selbsthilfe und gilt gleichermaßen für Schülerinnen und Schüler mit Lerndisposition und Lernhemmung wie auch für besonders begabte Schülerinnen und Schüler  zur Förderung der intrinsischen Motivation. Der Coaching-Prozess findet in einem geschützten Beratungssetting außerhalb der Unterrichtszeit in der Schule statt und unterliegt der Freiwilligkeit.

Renate Eileck

Es folgen Beispiele aus der Arbeit des SHiB-Projekts im Bereich Kunst:

Erstes Projekt: „Picasso Fenster zur Welt“

Es haben 17 Schüler/innen aus den Klassen 9 – Q2, sowie 3 unserer Kunstlehrer teilgenommen. Das Projekt „Schleswig Holstein inklusive Begabtenförderung“ fand im Zeitraum von Montag dem 15. bis Mittwoch dem 17. Februar 2016 statt.

Am Montag besuchten wir zur Inspiration und Einführung in das Thema die Picasso-Ausstellung „Fenster zur Welt“ im Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Dort sind 40 seiner Werke als Leihgaben aus der ganzen Welt zum Thema Fenster gesammelt. Von 100 Anfragen an Museen und Privatpersonen sind letztendlich 40 Werke zur Verfügung gestellt worden.

Zusammen mit Frau Schütt-Krause und Frau Paetzold bekamen wir eine sehr informative Führung durch die zweiteilige Ausstellung, bei der auf einige Werke noch näher eingegangen wurde und man auch etwas über die Privatperson Picasso erfahren hat.

Danach zeichneten wir erste Entwürfe für unsere geplanten eigenen Bilder in einem Tagungsraum des Klett Verlags in Hamburg. Dies diente dazu die ersten gesammelten Eindrücke und Inspirationen schon einmal aufs Papier zu bringen. Nach einer Rückspracherunde in der Gruppe begannen wir am folgenden Tag mit der Weiterentwicklung und Umsetzung unserer Konzepte.

Dort konnten wir uns in neuen Materialien und Techniken versuchen, um unser Potential weiter auszubauen.

So gab es zum Beispiel sowohl Acrylfarbe und Kreide, Kohle und Buntstifte, als auch Kugelschreiber und buntes und Zeitungspapier. Neben realistischen Bildern kamen auch Collagen und Drucke, sowie abstrakte Kunst auch unter Verwendung von Schrift zustande. Außerdem gab es neben den typischen Einzelbildern auch zahlreiche Serien.

Während der zweitägigen Arbeitsphase standen uns die Lehrer Herr Lösekrug, Frau Paetzold und Frau Schütt-Krause tatkräftig und inspirierend zur Seite. Ein Großteil der Materialien wurde von der Schule zur Verfügung gestellt.

Sowohl von Schüler- als auch von Lehrerseite besteht großes Interesse Projekte dieser Art zu wiederholen.

Wenn Sie möchten, können Sie sich die hervorgebrachten Arbeiten am Tag der offenen Tür bei den Kunsträumen ansehen.

– Milena Heitmann und Pheline Mouton aus der Q1k

 

Zweites Projekt: Auseinandersetzung mit Plastiken im Museum

Begegnung mit dem Original
Eine Projektgruppe unter der Leitung von Frau Paetzold, Frau Meisel und Frau Schütt – Krause hat sich drei Tage lang mit dem seelischen Ausdruck der Bronzefigur „Pierre de Wissant“ (einer Vorarbeit zu dem Denkmal der „Bürger von Calais“) von Auguste Rodin auseinandergesetzt.

1. Tag : Raus ins Museum


„Und endlich ging es los: Wir, 15 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 9 bis 13, standen gespannt im Kunstraum und waren absolut begeistert von der Vorstellung, ganze drei Tage abseits des normalen Schulstresses mit Kunst zu verbringen.
Aber zuerst wurden wir mit ausreichend Profimaterialien versorgt, darunter ein Skizzenblock und ein Rötelstift.
Soweit gerüstet und entsprechend motiviert ging es dann sogleich weiter in die Kunsthalle, wo der erste Tag unseres SHiB-Projektes stattfand. Nachdem wir alle sicher angekommen waren und das Gruppenfoto erstellt hatten, begannen wir mit der ersten Aufgabe: „Skizziert die Statue von Rodin vor dem Original!„
Für alle, die Auguste Rodin nicht kennen: Er ist einer, wenn nicht der bekannteste Bildhauer (und Zeichner) des 20.Jahrhunderts. Seine Kunstwerke, insbesondere seine Plastiken und Skulpturen, hängen bzw. stehen in allen großen Kunstmuseen der Welt. Mit diesem überaus inspirierenden Vorbild vor Augen machten wir uns an die Arbeit. Doch das Skizzieren gestaltete sich schwieriger, als wir es auf den ersten Blick angenommen hatten. Alle, die schon einmal versucht haben, einen dreidimensionalen Körper zu zeichnen, wissen, dass es ziemlich frustrierend sein kann, denn der Blickwinkel ändert sich jedes Mal, wenn man die Skulptur betrachtet.
Doch wir waren alle vom Ehrgeiz gepackt und ganz bei der Sache. Als es Zeit für die Mittagspause war, konnten sich die meisten kaum von den Skizzenblöcken entfernen.
Als wir am Ende des Tages dann unsere Ergebnisse besprachen, war noch einmal deutlich zu sehen, wie viel Spaß uns das Zeichnen gebracht hatte: Jeder von uns hatte mindestens eine Zeichnung, mit der er oder sie zufrieden war. Frohen Mutes verließen wir dann am Nachmittag die Kunsthalle , in Gedanken schon beim nächsten Tag, der versprach genauso spannend, interessant und voller neuer Eindrücke zu werden wie der erste!
Luisa Zechel ( E s ) 2 / 2

2. Tag : Zurück im Kunstraum


„Am zweiten Tag beschäftigten wir uns mit dem Thema Plastik. Dieser Tag war wohl der, an dem wir alle an unsere Grenzen stießen.
Der Tag begann damit, dass wir gemeinsam die Tische umstellten, damit wir alle an einem großen Gruppentisch Platz nehmen konnten. Dann führte Frau Meisel uns in das Thema ein. Wir nahmen uns zuerst ein Schulbuch und konnten selber mit dem Thema vertraut werden. In der darauffolgenden Besprechung wurden einige Begriffe und Arten der Plastik geklärt. Nun wussten wir alle, was genau eine Plinthe ist oder was Non-finito bedeutet.
Unsere Aufgabe war es heute eine Plastik zu erschaffen, natürlich von „unserem„ Pierre de Wissant. Es blieb uns überlassen, ob wir nur ein Körperteil von ihm darstellen oder ob wir kreativ etwas hinzufügen wollten. Viele verschiedene Materialien wurden für uns bereitgestellt : Keramiplast, Gips, Stöcker, Steine und Draht.
Nach einer Vorzeichnung unserer Plastik ging es endlich ans Werk: Konzentriert arbeiteten wir stundenlang. Frau Meisel gab uns dann hier und da eine Hilfestellung, da wir alle noch nicht so vertraut mit den Materialien waren. Viele Teilnehmer waren hinterher enttäuscht, weil sie nicht genau das geschafft hatten oder nicht so weit gekommen waren, wie sie es sich vorgenommen hatten, aber dennoch können sich die Plastiken nach viel Spaß und Mühe sehen lassen.
Ayesha Siddique (E s)

3.Tag : Wieder in gewohnter Umgebung


Am dritten Tag stand die Malerei mit Ölfarben und einem speziellen Malmittel im Vordergrund. Nach einem musikalisch durch Klänge unterlegten „Aufwärm-Malen„ ging es los. Je nach Belieben durfte die in den letzten zwei Tagen besprochene Skulptur auf die Keilrahmen gebracht werden. Viele Stilrichtungen vom Impressionismus über Kubismus bis Pop-Art waren vertreten. Durch Musik, Kaffee und Kuchen war die Atmosphäre sehr entspannt und angenehm. Die Konzentration blieb dabei jedoch nicht auf der Strecke und es entstanden viele beeindruckende Arbeiten.
Ein anschließendes Revue-Passieren des gesamten Projektes mit Frau Schütt-Krause, Frau Paetzold und Frau Meisel bildete einen tollen Abschluss, bei dem sich alle Teilnehmer einig waren, dass der Lernerfolg enorm war und Wiederholungsbedarf besteht.
Maria Stjepic (E k)
Petra Paetzold

Förderung durch die William-Stern-Gesellschaft

Die William-Stern-Gesellschaft für Begabungsforschung initiierte 1982 zusammen mit der Universität Hamburg ein Projekt zur Begabungsförderung im Bereich der Mathematik.

Jedes Jahr werden dazu 40 bis 45 mathematisch besonders begabte Kinder der 6. Klassen aus Hamburg und den niedersächsischen und schleswig-holsteinischen Randgebieten mit Hilfe eines Testverfahrens aus einer Testgruppe von ca. 200 Schüler und Schülerinnen ausgewählt. In ca. 20 Samstagssitzungen im Jahr können sich die Teilnehmer, sehr viel ausgiebiger als es die Mathematikunterricht oder die Mathematik-Arbeitsgemeinschaft an unserer Schule bieten kann,  mathematischen Problemstellungen und der Suche nach Lösungswegen widmen. Darüber hinaus gewinnen sie Einblick in mathematische Forschungsprozesse und spätestens in der Oberstufe werden auch ungelöste Problemaufgaben gestellt.

Seit vielen Jahren bereite ich die Schüler und Schülerinnen auf diese Talenttestung vor, die im Unterricht und/oder der Arbeitsgemeinschaft Mathematik im besonderen Maße dahingehend auffallen, dass sie mit viel Kreativität eigenständig nach Lösungswegen suchen, hinreichend Ausdauer auch dann zeigen, wenn Fehler auftreten oder das Ende des Lösungsweges nicht in Sicht ist und eine gute Auffassungsgabe zeigen.

Viele unsere Schüler und Schülerinnen nehmen bereits an dieser mathematischen Förderung teil, zwischen 2 bis 6 Teilnehmer eines Jahrgangs eröffnen wir auf diesem Weg neue mathematische Horizonte. Alle Teilnehmer sind mit diese Art des Arbeitens und die Möglichkeit des Austausches mit Schüler und Schülerinnen anderer Schulen sehr zufrieden und genießen diese Samstagsvormittage in vollen Zügen.

El