Das Lessing-Gymnasium beteiligte sich am Afrika Projekt der Stadt Norderstedt mit mehreren eigenen Projekten, unter anderem mit einem Bildhauer Workshop mit einem Künstler aus Simbabwe, an dem 23 Schüler und Schülerinnen des LGN und 12 Schüler des BBZ teilnahmen, unter anderen auch Schüler, die schon im November 2012 an einem Shona Bildhauer Workshop am LGN teilgenommen haben.
Zu einem weiteren Skulpturen Workshop waren Eltern, Lehrer und andere Interessierte eingeladen.

                                         

Collen Nyanhongo                                                           Thomas Behrendt

Der Workshop für Erwachsene mit sechs Teilnehmerinnen fand unter der Leitung von Collen Nyanhongo, einem renommierten Bildhauer aus Simbabwe, vom 24.6. bis 28.6.2014 statt. ( Collens Website: collennyanhongo.com).

Unter Nyanhongos Leitung rangen die Teilnehmerinnen ihren Steinen rasch eindrucksvolle Formen ab. Einige brachten schon Vorkenntnisse in der Bildhauerei mit und setzten Collens Anregungen sofort um. Besonders neu war, dass bei Shona Skulpturen am Ende die ganze Skulptur oder Teile davon mit Wachs zum Glänzen gebracht wird, indem der Stein erhitzt, mit Wachs eingerieben und poliert wird.
Einige Endprodukte der erwachsenen Teilnehmerinnen sind in der folgenden Galerie zu sehen.

Collen Nyanhongo leitete zusammen mit Thomas Behrendt, Kunstlehrer am BBZ und Kulturpreisträger der Stadt Norderstedt, mit Unterstützung von Frau Meisel, Kunstlehrerin am LGN, den großen Kurs, für den Thomas Behrendt zusätzliche Werkzeuge von anderen Lehrorten herbeibrachte.
Die Steine wurden aus Simbabwe importiert über die Shona-Art Galerie aus Witten. Es sind Serpentin und Opal Steine, typisch für die Bildhauerei in Simbabwe.
Der Rotary Club Norderstedt ermöglichte mit seiner großzügigen Spende von 2500 Euro den Kauf der Steine, jeder ungefähr im Wert von 50 Euro. Die Schüler dürfen die Steine behalten und zahlen nur mit 18 Euro pro Person einen Großteil der Honorare.

Die Fotos und der Bericht der Norderstedter Zeitung vom 3.7.2014 (siehe unten) geben einen Eindruck davon, wie die Schüler den Workshop angenommen haben.

Wie kam es zu diesen Workshops?

Seit fast 30 Jahren kenne ich Simbabwe, war dort von 1985 bis 1991 als Lehrer und Lehrerausbilder tätig, und habe schon früh die weltberühmte Bildhauerei der Shona Art kennengelernt und zusammen mit meiner Frau eine Sammlung von kleineren und größeren Skulpturen begonnen.

Bei Besuchen im Lande wurde in den letzten Jahren deutlich, wie sehr die Künstler unter dem Wegbleiben der Touristen wegen der angespannten wirtschaftlichen und politischen Lage des Landes leiden.

Einerseits sind viele der simbabwischen Bildhauer weltberühmt und haben Ausstellungen auf allen Erdteilen mitgemacht, andererseits aber leben sie dennoch verarmt auf dem Lande und müssen zusätzlich mit anderen Geschäften ihren Lebensunterhalt meistern. Collen Nyanhongo z.B. kann sich bis heute noch keinen Computer leisten, arbeitet unter einem Baum draußen ohne eigene Werkstatt. Ich bekomme gerade mit, während er in unserem Hause lebt, wie er versucht, einen uralten Benzintankwagen aus England über Namibia nach Simbabwe einzuführen, um damit ein kleines Transportunternehmen zu starten. Der Laster ist schon mehrfach auf der Strecke liegen geblieben und noch immer in Namibia, wo Collen mit endlosen Telefonaten den Weitertransport zu organisieren versucht, während er hier unseren „Thinker“, ein großartiges Kunstwerk, erstellt.

Diesen Gegensatz meinen Schülern aufzuzeigen, ist mein Hauptbeweggrund dafür, Collen Nyanhongo eingeladen zu haben zum “Wir für Afrika“ Projekt. Wir für Afrika klingt ein fast wenig danach, als ob der Weg nach Süden eine Einbahnstraße sei. Collen zeigt mit seiner gewaltigen künstlerischen Ausdruckskraft, dass Afrika uns viel zu geben vermag. Die Shona Art ist universal, wird auf jedem Kontinent in gleicher Weise verstanden, weil sie archaische und mystische Formen zum Ausdruck bringt, die in den unterschiedlichsten Menschen ähnliche Empfindungen hervorrufen.
Einen weiteren Gewinn bringt den Schülern der interkulturelle Austausch in der Fremdsprache Englisch, sei es, dass sie neue Fachbegriffe aus der Bildhauersprache auf englisch lernen oder small talk über das Leben in Simbabwe in der Fremdsprache halten und so ihre Englischkenntnisse anwenden und vertiefen können.

Reinhard Thiemann

Hier der Bericht aus der Norderstedter Zeitung:

Nyanhongo aus Simbabwe zeigt Schülern das Steineklopfen

Der Steinbildhauer aus Simbabwe gibt zum Afrika-Projekt einen Bildhauer-Workshop und arbeitet eine 2,60 Meter hohe Skulptur am Lessing-Gymnasium, für die er den Stein aus seiner Heimat mitbrachte.

Von Heike Linde-Lembke
Foto: Heike Linde-Lembke

Bildhauerwerkstatt am BBZ

Collen Nyanhongo zeigt dem 15-jährigen Lennard vom Lessing-Gymnasium, wie er dem Stein mit Hammer und Meißel ein Gesicht entlockt. Norderstedts Bildhauer und Kulturpreisträger Thomas Behrendt (3. von links) unterstützt seinen Kollegen aus Simbabwe im Bildhauer-Kursus

Norderstedt. Lautes Klopfen weist den Weg zum alten Fahrradschuppen vor dem Eingang des Berufsbildungszentrums Norderstedt neben dem Lessing-Gymnasium. 34 Schülerinnen und Schüler beider Schulen hauen nach Kräften und voll Lust auf Steine ein. Steinbrocken fliegen, Schutzbrillen und -schürzen sind unerlässlich. „Hier sieht es aus wie in Afrika“, sagt Reinhard Thiemann, und der Englisch- und Sportlehrer des Lessing-Gymnasiusm weiß, wovon er spricht.
Thiemann liebt Afrika, er liebt die Shona-Steinbildhauerei, und er hat auch für das städtische Afrika-Projekt den Kunst-Kursus für die 34 Schüler organisiert. Als Bildhauer-Lehrer bat er Collen Nyanhongo aus Simbabwe nach Norderstedt, der im Sinn der Shona-Kunst arbeitet, typisch für Simbabwe. Die Shona-Art zeichnet sich durch archaische, oft mystische Formen, Figuren und Gesichter aus.

Reinhard Thiemann kennt Collen Nyanhongo seit längerer Zeit. Der Bildhauer ist für den 14-tägigen Workshop extra aus Simbabwe angereist und wohnt bei Thiemann. Nyanhongo ist Sohn einer Künstler-Familie. Schon sein 80-jähriger Vater ist Bildhauer, und alle zehn Geschwister arbeiten ebenfalls in der Kunst. Collen brachte auch den Opal-Stein aus seiner Heimat mit. Als er hinter der Mensa des Lessing-Gymnasiums abgeladen wurde, wog der relativ weiche Stein 1,2 Tonnen. Er ist weiß mit vielen Grau-Schattierungen. Eine kleine Ausstellung mit Nyanhongos Bildhauer-Kunst in der Mensa des Gymnasiums zeigt, wie vielfarbig der Stein sein kann. „Ich höre dem Stein intensiv zu, wenn ich mit ihm arbeite“, sagt Nyanhongo.

Vom 1,2-Tonnen-Brocken blieben nur noch 800 Kilo. Nyanhongo hat eine hohe, in Falten gelegte Denkerstirn aus dem Stein gearbeitet, ein langes Gesicht ist erkennbar, gestützt auf eine Hand mit gespreizten Fingern. Roh ist der Duktus, hart und kantig. Noch.

Der Künstler hat mit dem Stein echtes Bohnerwachs aus Afrika mitgebracht, um sein Werk zu polieren. Vorerst jedoch braucht er einige Stunden, um ihn mit Hammer und Meißel zu bearbeiten. Seine Zeit in Deutschland ist knapp, am 11. Juli geht der Flieger zurück. „Dabei würde ich mir so gern die Ausstellung der NordArt auf der Carlshütte in Büdelsdorf mit dem riesigen Skulpturenpark anschauen“, sagt Nyanhongo, dem es viel Freude bringt, den deutschen Schülern das Arbeiten mit dem Stein aus seiner Heimat zu lehren.

„Ich habe zuerst ein Loch in den Stein gehauen, das ergab sich so“ sagt Lennard. „Ich habe gedacht, das wird ein Auge, aber jetzt könnte es ein Dinosaurier werden“, sagt der 15-jährige Schüler des Lessing-Gymnasiums. Das Steineklopfen macht Lennard Freude, weil er dabei so gut abschalten könne.

„Ich wollte schon immer etwas Künstlerisches für mich entdecken“, sagt seine Mitschülerin Annika. Die 15-Jährige lässt sich vom Stein leiten. „Steineklopfen ist zwar anstrengend, aber es ist schön zu sehen, wie sich etwas unter den eigenen Händen entwickelt“, sagt Annika. „Ich habe als Achtjährige mal eine Bildhauerarbeit gemacht und finde es sehr gut, jetzt mit meinen Freunden am Stein zu arbeiten, weil wir uns über unsere Erfahrung austauschen können“, sagt Vanessa.

„Die Schülerarbeiten wollen wir gern zum Afrikafest am Sonntag, 6. Juli, im Norderstedter Stadtpark zeigen“, sagt Thiemann, der die Bildhauer-Werkstatt mit Collen Nyanhongo und Thomas Behrendt ein Jahr vorbereitet hat und die Zusammenarbeit zwischen dem Lessing-Gymnasium und dem Berufsbildungszentrum lobt. Gern hätte er Skulpturen von Nyanhongo im Stadtpark aufgestellt, doch sah die Stadtpark GmbH keine Möglichkeit, das Thema Skulpturengarten im Stadtpark zeitnah umzusetzen.

„Dafür müssen wir ein Gesamtkonzept entwickeln“, sagt Kai Jörg Evers. Der Geschäftsführer des Stadtparks ergänzt: „Es ist weder für das Kunstwerk noch für den Stadtpark dienlich, ohne schlüssiges Konzept einige Kunstwerke aufzustellen, doch das braucht Zeit.“

Thiemann indes sucht für sein Bildhauer-Projekt noch Sponsoren. „Der Rotary-Club hat mit 2500 Euro die Kosten für die Steine inklusive Transport von Afrika getragen“, sagt Thiemann. Jetzt würde noch das Geld für die Honorare für Nyanhongo und Behrendt fehlen. Die Kosten für sein Flugticket trägt Nyanhongo selbst.

Spenden für das Bildhauer-Projekt gehen unter dem Stichwort „Skulpturen-Workshop Afrika“ an den Förderverein des Lessing-Gymnasiums Volksbank Elmshorn, IBAN: DE742219 0030 0037 2604 50 .