Preisträger des Kompositionswettbewerbs für Kammerorchester IfM - sechs Uraufführungen von Orchesterwerken der jüngsten Komponistengeneration. Foto: Swaantje Hehmann

Preisträger des Kompositionswettbewerbs für Kammerorchester IfM – sechs Uraufführungen von Orchesterwerken der jüngsten Komponistengeneration. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. In einem Kompositionswettbewerb der Hochschule wurden vier Arbeiten junger Komponisten prämiert und am Montag vom Hochschulorchester gemeinsam mit den Werken zweier Osnabrücker Kompositionsstudenten uraufgeführt.

Alle Achtung: Sechs Uraufführungen spielt das Hochschulorchester unter Thomas Holland-Moritz an einem Abend. Und alle Achtung erst recht für die sechs Komponisten, denn die sind zwischen elf und 25 Jahre alt.

In einer solchen musikalischen Umgebung wirkt sogar ein Konzert für Akkordeon und Streichorchester voller Tangorhythmen wie ein alter Hut. Zwar bleiben bei Solist Daniel Franz keine virtuosen Wünsche offen in dem Konzert, das Astor Piazzolla nach dem höchsten Gipfel der Anden „Aconcagua“ benannt hat, doch ein Fremdkörper im Programm bleibt das Werk trotzdem.

Den Anfang macht „Vergessen…Jagen…“ von Jana Ferber, die demnächst als eine der Ersten ihr Kompositionsstudium in Osnabrück abschließen wird. Das Stück beginnt sanft, wird dann perkussiver und blechlastiger. Ein rhythmisch geprägter Abschnitt, scharfe Blechakkorde und auch etwas Pathos finden sich da, wenn das Flügelhorn eine Melodie in hoher Lage intoniert. Zur Orchesterbesetzung gehören Klavier, Harfe und eine Panflöte, doch neue Spieltechniken werden nicht eingesetzt.

Die verwendet auch Stefan Günther nicht. Der 1996 geborene Hamburger erhielt in einem vom Institut der Hochschule ausgeschriebenen Kompositionswettbewerb den dritten Preis für sein Werk „Der Soziopath“, das sehr viel dissonanter, launischer und unberechenbarer gesetzt ist. Melodische Abschnitte gibt es aber auch hier, wenn Flöte, Klarinette oder Oboe nur mit Begleitung der Harfe spielen.

Lukas Förster, Jahrgang 1997, erhielt für seine kleine Symphonie „Adam an Eva in paradise“ den zweiten Preis. Bei ihm müssen die Musiker ihre Instrumente nicht nur „normal“ spielen, sondern außerdem stampfen, klatschen und zischen, die Blechbläser rezitieren gegen Ende im Sprechchor einen Bibelvers. Ansonsten schwankt die Musik zwischen tonalen und atonalen Abschnitten .

Der zweite Preis des Wettbewerbs wurde geteilt und ging zur Hälfte an den jüngsten Komponisten Christian Brandenburger, der in seinem Werk „Melancholischer Wald“ op. 19 einen heraufziehenden Sturm schildert. Bei statischer Harmonik ist das Stück als große, unerbittliche Steigerung angelegt.

Kilian Verburg ist wie Jana Ferber Kompositionsstudent in Osnabrück, also kein Wettbewerbsteilnehmer. In „Hemostasis“ zitiert er ein Thema aus Mozarts „Zauberflöte“ und verwendet auch sonst ganz klassische Techniken, die jedoch durch scharfe, schrille Dissonanzen kontrastiert werden, ferner werden Geräusche wie etwa Papierknüllen eingesetzt.

Der erste Preis wurde als krönender Abschluss zuletzt gespielt. Adrian Laugsch, geboren 1997, erhielt ihn für das einzige Werk des Abends, das nicht durch ein Programm definiert oder wenigstens durch außermusikalische Einflüsse inspiriert ist. „Scherzo malinconico“ ist turbulent, oft laut und dissonant, Flatterzunge, prägnante Rhythmen und starke Blechakzente finden Verwendung, bevor das Werk lapidar mit der Flöte und einem kurzen Pizzicato der Violinen verklingt.